Im Gegensatz zum perversen Ressourcenverbrauch (nicht dass der deutsche vorbildlich wäre!) und dem Bier, dem man ja aus dem Weg gehen kann, ist der tagtägliche Anblick von mehr oder weniger angezogenen US-Amerikanern und besonders US-Amerikanerinnen unerträglich. Was ich mir jeden Tag ansehen muss, ist eine Beleidigung für mein europäisches Auge. (Soweit ich mich mit europäischen Stereotypen auskenne, sind wir Deutschen in Europa ja für unsere unästhetische Kleiderordnung – besonders im Urlaub – bekannt. Ich gehe also davon aus, dass der durchschnittliche Brite hier erstmal in Behandlung muss; sprich: ich bin möglicherweise eher milde in meinem Urteil.)
Ich habe mir große Mühe gegeben, mich auf ein sexistisch verzerrtes Urteil zu überprüfen. Dazu habe ich auch noch einmal mit Kerstin gesprochen, die in Bezug auf Sexismus sehr sensibel ist und ja selber schon in den USA (ein Jahr an der Johns Hopkins University, Baltimore) war. Es ändert nichts: Besonders für die US-amerikanischen Frauen (Mädchen?) kommt wohl jeder Ästhetik-Workshop zu spät! So etwas Ekelhaftes habe ich noch nicht gesehen. Wie kann man nur so rumlaufen? Dabei geht es mir nicht nur, oder nicht einmal in erster Linie, um hässliche und fette Personen. Vielmehr um die Tatsache, dass die Frauen hier schlicht “kurz vor Porno” gekleidet sind (aber Sex vor der Ehe ist unmoralisch, gell?).
Beschreibungsversuch: Shorts so short, shorter geht es nicht. Leute! Hier gucken die Arschbacken hervor! Bauchfrei gibt es auch, scheint aber nicht (mehr) ganz so stark in Mode. Puh! Tiefere Ausschnitte hieße keine Ausschnitte mehr – es gäbe einfach nichts mehr auszuschneiden. Das Bisschen, was die Damen dann noch am Leib haben, ist oft nicht von einem Schlafanzug zu unterscheiden.
Ach ja: Nein, das hat nichts mit Selbstbewusstsein zu tun. Anderen Menschen den Anblick eines nackten (oft genug hässlichen) Körpers aufzunötigen, ist nicht selbstbewusst! Es hat auch nichts mit Emanzipation zu tun. Von was wird sich denn da emanzipiert? Von den durch Männer aufoktroyierten Kleidernormen? Die oben beschriebene Fleischbeschau ist bei den Undergrads deutlich verbreiteter als bei den Grads. Sind also die weiblichen Grad Students, die sich deutlich “defensiver” kleiden, alle unemanzipiert und/oder schüchtern?
Bei den Herren der Schöpfung gibt es drei erwähnenswerte Punkte. 1. Shorts 2. Oberkörperfreihes Joggen 3. Flip-Flops. Sieht alles drei nicht sonderlich elegant aus (nicht das ich selbst sonderlich elegant gekleidet wäre…). Fakt ist: Die Männer sind weniger wabbelig und fettig – kleiner biologischer Vorteil – und haben insgesamt mehr (Sport-)Kleidung am Körper als die Frauen. Einzige Ausnahme: Oberkörperfreihes Joggen. Was das soll, weiß ich auch nicht. Gehört auch eher in den Bereich der Nötigung. Tatsache ist aber auch, dass die (oberkörperfrei) joggenden Männer hier allesamt braungebrannte durchtrainierte Typen sind. Das entschuldigt nichts, macht es aber erträglicher… Naja, und Flip-Flops sind bei den Herren nicht nur wenig ästhetisch, es ist schlicht nervig, wenn die Herren (die Damen genauso) in der Bib an einem vorbei flipflopen: Flip-Flop-Flip-Flop-Flip-Flop-… Noch niemand auf die Idee gekommen, dass das anderen Menschen beim Lesen auf den Keks gehen könnte? Wohl nicht.