August 28, 2009
Ein guter Bekannter hat sich auf die Suche nach der Antwort auf eine Frage gemacht, die ich heute getwittert hatte:
Kennt jemand die Position der @Piratenpartei zu #Erhebung, #Verwendung und #Speicherung von personenbezogenen #Daten in der #Wissenschaft?
Die Antwort der Piraten (eine Nicole) liest sich so:
Vielen Dank für das Interesse und die Frage.
Die Piraten setzten grundsätzlich für Datensparsamkeit
und Datenschutz ein. Dies bedeutet, dass nicht nur von
staatlichen Stellen gefordert wird, Daten erst gar nicht
zu speichern, sondern vor allem auch von Wirtschaftsunternehmen.
Dort, wo die Erhebung von Daten unerlässlich ist oder wo sie zur
Erleichterung von geschäftsbezogenen Prozessen erhoben
werden, muss gewährleistet sein, dass sie ausschließlich zum
angegebenen Zweck genutzt werden. Eine Auskunftspflicht
gegenüber dem Betroffenen ist ebenso selbstverständlich.
Diese Positionen vertreten wir auch bezüglich Daten von
Personen in Wissenschaft und Forschung. Sofern es möglich
ist, sollten anonymisierte Daten verwendet werden, eine
Rückverfolgung muss ausgeschlossen bleiben. Werden Daten
personenbezogen erhoben, sind hohe Standards zur Sicherung
dieser Daten gegen unbefugten Zugriff und an Mitarbeiter
durch besondere Verpflichtung einzuhalten. Die Einhaltung
dieser Standards muss durch eine unabhängige Instanz mit
der Kompetenz zur Einleitung von Strafverfolgung gewährleistet
werden. Einen zahnlosen Tiger braucht man nicht.
Die Piraten setzen sich dafür ein, dass entsprechende Regeln
in einem Gesetz festgeschrieben werden. Ebenso wollen wir
durchsetzen, dass eine wie vor beschriebene Aufsichtsinstanz
mit den notwendigen personellen und finanziellen Mitteln
ausgestattet wird.
Nachzulesen sind die Ansätze in unserem Wahlprogramm:
http://www.piratenpartei.de/tmp/Wahlprogramm_Bundestagswahl2009.pdf
auf Seite 7ff.
Vielen Dank an Marc für das Weiterleiten der Frage und an Nicole für diese erste Antwort. So ganz zufriedengestellt hat mich das noch nicht. Als Sozialwissenschaftler, der auf Daten von und über reale(n) Menschen angewiesen ist, will ich noch ein wenig mehr Details zu den Dingen, die auf mich und meine KollegInnen zukommen, wenn die Piraten im Bundestag oder sogar in einer Bundesregierung mitmischen sollten. Der Datenschutz darf Wissenschaft nicht unmöglich machen. Ich, der ich an einem Projekt arbeite, dass den Datenschutz sehr groß schreibt, meine, dass man das Kinde an dieser Stelle besser nicht mit dem Bade ausschütten sollte. Mehr zu diesem Thema mit Sicherheit bald an dieser Stelle.
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Posted by sewenz
May 28, 2009
Leider habe ich nicht wirklich Zeit für einen Blog-Post. Dass ein auf diesem Blog aber schon vor einiger Zeit besprochener “Fall” wieder in den Medien (namentlich bei der ZEIT und bei SPIEGEL Online) auftaucht — und das ganz in meinem Sinne — ist einen kurzen Eintrag wert. Vor über einem Jahr hatte eine Bildungsstudie aus Berlin mit dem Namen ELEMENT für Furore gesorgt. Ich hatte darüber hier gebloggt.
Zusammengefasst ging es um die Interpretation der Ergebnisse durch den Leiter der Studie, Rainer Lehmann von der HU Berlin. In mehreren Interviews gab er als Fazit der Studie an, die Berliner Grundschulen, in denen üblicherweise alle Kinder bis einschließlich Klasse 6 unterrichtet werden, versagten insofern, als der Leistungszuwachs der SchülerInnen an Grundschulen hinter dem der SchülerInnen an grundständigen Gymansien (ab Klasse 5) zurückbleibe. Zitat Lehmann:
Bei gleicher Ausgangslage lernen Schüler an Gymnasien weitaus mehr als an Grundschulen.
Wie ich bereits in meinem Blogpost deutlich gemacht hatte, gab es in den veröffentlichten Berichten der ELEMENT-Studie kein einziges Modell, dass diese (kausalen) Folgerung gestützt hätte. Schon damals hatte ich überlegt, nach den Daten zu fragen — aber möglicherweise hätte ich sie gar nicht erhalten. Tatsächlich haben Jürgen Baumert und Kollegen die Daten bekommen und reanalysiert — das Ergebnis überrascht nicht: Lehmanns Ergebnisse sind Unfug. Zusammengefasst aus dem Mund von Jürgen Baumert:
Zwischen den Frühwechslern und einer Gruppe von Grundschülern, die in allen für die Leistung wichtigen Voraussetzungen vergleichbar ist, gibt es keinen oder keinen stabil nachweisbaren Unterschied im Zuwachs der Lesekompetenz und der mathematischen Fähigkeiten.
Danke. Den zugehörigen Artikel kann man dann wohl bald (Juni-Heft) in der ZfE nachlesen. (Wer mal Propensity-Score-Matching angewandt sehen möchte, sollte den Artikel nicht verpassen, wenn ich Herrn Baumerts Äußerung im Interview mit SPIEGEL Online richtig verstehe, dass “für 1732 Frühübergänger sogenannte Zwillingspaare gebildet” wurden.)
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Posted by sewenz
February 25, 2009
Uwe Schimank und Nadine M. Schöneck haben bereits im Herbst letzten Jahres ein Buch mit dem Titel “Gesellschaft begreifen. Eine Einladung zur Soziologie” herausgegeben, das auch über eine eigene Internetseite verfügt, auf der die beiden Herausgeber die Autoren des Bandes interviewen. Um die einzelnen Videos zu sehen, klicke man auf die Thumbnails am rechten Bildrand.
Die meisten (nicht: alle) Interviews sind aus meiner Sicht interessant und zeigen eindrucksvoll die inhaltliche und methodische Breite der Soziologie — ob das erklärte Ziel, zukünftige Studenten für die Soziologie zu begeistern, mit diesen Videos und dem dazugehörigen Buch erreicht werden kann, vermag ich nicht zu beurteilen (insbesondere, weil ich das Buch nicht gelesen habe).
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Posted by sewenz
February 4, 2009
Was die deutschen Medien über das NEPS berichten, findet man natürlich bei google-news in einer Übersicht. Zum Nachhören des Berichts in Campus & Karriere klicke man hier (mp3). Hans-Peter Blossfeld im Interview mit dem Inforadio rbb kann man hier hören.
Um einige — mehr oder weniger hochqualitative — Kommentare in den Diskussionsforen deutscher Medien zu würdigen, bemerke ich folgendes:
- In Anbetracht von 3 Mrd. (=3.000 Mio) für den Teilchenbeschleuniger “Large Hadron Collider” (LHC) bei Genf erscheinen mir 60 Mio. oder 120 Mio EUR für das Bildungspanel gut angelegtes Geld. [Polemik On] Überlegen Sie sich spontan eine Antwort auf die Frage, was Ihnen wichtiger ist: zu verstehen (=wissen), warum Kinder unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft unterschiedlich oder auch gleich gut abschneiden, wie bedeutend tatsächliche Kompetenzen auf der einen und Urkunden/Zeugnisse auf der anderen Seite z.B. auf dem Arbeitsmarkt sind oder eigenartige Teilchen aufeinander zu schießen. [Polemik Off] Ich finde beides wichtig.
- Die Mitarbeiter des NEPS sind zu den besten der Bildungsforschung zu zählen und wären auch ohne das NEPS sicher nicht ohne Job geblieben. Außerdem wird man unter diesen Mitarbeitern keinen einzigen Ethnologen finden. Es sind — in alphabetischer Reihenfolge — Ökonomen, Pädagogen, Psychologen und Soziologen, die hier quantitative empirische Forschung betreiben (werden). Wer auf der Seite des NEPS unter den Mitarbeitern einen Ethnologen findet, darf ihn behalten. Und, nein, auch Ethnologen sind keine “unnützen Akademiker”. Wobei ich ja finde, als quantitativer Sozialwissenschaftler mehr zum Verständnis der Gesellschaft beizutragen als ein Ethnologe, der sich 2 Jahre in Hoyerswerda in die Kneipe setzt — aber das beruht sicher auf Gegenseitigkeit.
- Wer glaubt, aus der Geschichte schon genug über Bildungssysteme lernen zu können bzw. gelernt zu haben, muss sich wohl einen Historiker schimpfen lassen. Historiker sind wichtig und aus Geschichte kann man viel lernen, auch über Bildungssysteme. Nicht lernen kann man aus der Geschichte, was Kinder mit türkischem Migrationshintergrund von Kindern mit vietnamesischem Hintergrund unterscheidet, an welcher Stelle in der Bildungskarriere eines Kindes diese Unterschiede besonders stark hervortreten bzw. Wirkung zeigen. Zur Beantwortung dieser Fragen empfiehlt sich eine Panel-Studie im 21. Jh. — nennen wir sie “Bildungspanel”.
- Sollten die am NEPS beteiligten Wissenschafter “Handlungsempfehlungen” aussprechen, können folgende Szenarien zutreffen: (a) Der entsprechende Wissenschaftler macht eine normative Aussage, sagt mithin was sein soll. Das können Wissenschaftler nicht, es gibt dafür keine wissenschaftliche Methode. Wisseschaftler sagen lediglich, was ist. Wer doch sagt, was sein soll, hört auf Wissenschaftler zu sein und wird zum Politiker oder “einfachen” Bürger dieses Landes. (b) Die Politik stellt eine Frage, in der das normative Ziel enthalten ist, z.B. “Führt eine spätere Trennung der Kinder auf verschiedene Schulformen zu geringer Bildungsungleichheit?”. Sagt der Wissenschaftler darauf, “ja, schieben Sie die Trennung nach hinten, senken Sie die Bildungsungleichheit”, ist das absolut in Ordnung.
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January 19, 2009
- Hessen hat einen neuen Landtag gewählt — mit diesem Ergebnis.
- Wer hat wen gewählt? Das Wahlergebnis soziodemographisch aufgeschlüsselt.
- Wähler wandern — hier steht wie.
- Das Internet als Medium im Wahlkampf wird wichtiger; was das mit den verschiedenen Parteien zu tun hat, liest man hier.
- “Wahl im Web” — der Versuch des ZDF moderner, jünger, interaktiver und netzorientierter über eine Landtagswahl zu berichten. Hier eine 15minütige Zusammenfassung. Fazit: Okay. Nicht mehr und nicht weniger. Herr Kavka kommt sicher noch mehr in den Themenkomplex Politik und Wahlen rein; dann wird das auch was.
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Posted by sewenz
November 1, 2008
In einem Artikel von Inge Kloepfer auf FAZ.net zur steigenden Beliebtheit von Privatschulen in Deutschland las ich eben folgendes zu den Gründen der Eltern eine Privatschule in Betracht zu ziehen:
Dahinter stehen allerdings immer die angenommene höhere Unterrichtsqualität privater Schulen und eine größere Erfolgswahrscheinlichkeit für die Kinder. Rund zwei Drittel der Deutschen meinen nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass Privatschulen ihren Kindern bessere Bildungschancen eröffnen.
Soweit so gut. Diese Alltagstheorien der Menschen müssen nicht ganz falsch sein; besser ausgestattet sind die Privatschulen bestimmt und es ist auch plausibel anzunehmen, dass die LehrerInnen — im Schnitt — zu den motivierteren ihrer Zunft gehören. Leider hat aber auch Frau Kloepfer, wie die meisten Journalisten in Deutschland, offensichtlich nie ein Grundseminar in Kausalanalyse besucht — wenn man das denn überhaupt muss, um zu erkennen, dass nachstehend zitierte Argumentation nichts als Firlefanz ist:
Ganz falsch liegen die Eltern mit ihrer Kompetenzvermutung nicht. Helmut Klein vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft gibt ihnen weitgehend recht: “In der Hälfte der Bundesländer bringen Privatschulen im Verhältnis zu ihrer Schülerzahl mehr als doppelt so viel Abiturienten hervor wie staatliche Gymnasien und Gesamtschulen.”
Aua. Das tut weh. Schön ist, dass man Frau Kloepfer in Ihren eigenen Worten erklären kann, was sie nicht versteht. Sie schreibt, dass…
Über die Qualität staatlicher Bildungsangebote in den bildungsbewussten Mittel- und Oberschichten längst mit den Füßen abgestimmt [wird].
So ist das. Und jetzt raten Sie mal, wie hoch die Abiturientenquote unter Kindern solcher Eltern an staatlichen Schulen ist. Und wenn Sie schon dabei sind, raten Sie doch auch noch die Veränderung in der Differenz zwischen privaten und staatlichen Schulen bei ausschließlicher Berücksichtigung der Kinder aus “bildungsbewussten Mittel- und Oberschichten”. Richtig geraten: sie wird viel kleiner sein. Ich bestreite nicht, dass sie möglicherweise noch da ist und man mit dieser Differenz dann wohl schon sehr nah an den wahren Qualitätsvorsprung im Sinne eines kausalen Effekts der privaten Schulen auf den schulischen Erfolg eines Kindes herankommt. Aber bitte, liebe Frau Kloepfer, liebe Journalisten in Deutschlands “Qualitätszeitungen”, gewöhnen Sie sich doch solch falsche bzw. unzulässige Vergleiche ab. Danke.
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October 30, 2008
The tradition in US-media to endorse a presidential candidate of choice is — from a German point of view — one of the curiosities in US-presidential elections. I personally like to read the reasoning of the different media. I find the endorsement by scientific publications especially interesting — read why Seed endorses Barack Obama here in full lentgh. The part I like most begins as follows…
Far more important is this: Science is a way of governing, not just something to be governed. Science offers a methodology and philosophy rooted in evidence, kept in check by persistent inquiry, and bounded by the constraints of a self-critical and rigorous method. Science is a lens through which we can and should visualize and solve complex problems, organize government and multilateral bodies, establish international alliances,
… and continues with a little bit more patriotism (what I don’t like too much)…
inspire national pride, restore positive feelings about America around the globe, embolden democracy, and ultimately, lead the world. More than anything, what this lens offers the next administration is a limitless capacity to handle all that comes its way, no matter how complex or unanticipated.
Again: Especially the first part I quoted is — from my point of view — very important insofar as politics all over the world seem to suffer (in- or decreasingly?) from far too many decisions based on anything but clear and strong (i.e. scientific) evidence. Therefore it is a very good reason to endorse a candidate using such an argument.
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October 19, 2008
Das WZB gibt ab sofort in unregelmäßigen Abständen einen Rundbrief zum Thema Bildung heraus. Dazu liest man auf der Website des WZB:
Der „WZBrief Bildung“ informiert aktuell, kompakt und verständlich über ein Thema aus der Bildungsforschung. Er erscheint mehrmals im Jahr in elektronischer Form.
Er richtet sich in erster Linie an Experten und interessierte Laien in Politik, Schulen, Verbänden und Medien. Autoren des „WZBrief Bildung“ sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am WZB, die zu Fragen von Bildung und Ausbildung im Lebensverlauf und den Übergängen zwischen Bildungsinstitutionen und Arbeitsmarkt forschen, insbesondere aus der Abteilung > „Ausbildung und Arbeitsmarkt“ sowie der Projektgruppe > „Education and Transitions into the Labour Market“
Mal sehen, was er bringt, der neue WZBrief.
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October 16, 2008
Ich weiß, es ist ein bisschen gemein. Und dennoch: was unser Hausmeister Herr K. unlängst in unsere Briefkästen warf, darf nicht unzitiert im Papierkorb landen. Herr K. schrieb Folgendes (Absatz, Rechtschreibung, Grammatik, Interpunktion und Font folgen dem ausgedruckten Original).
AN ALLE MITBEWOHNER HERR K.
AB DEN 16.10.08 IN DER KLINIK.
WEN ETWAS DRINGENDES SEIN
SOLLTE WENDEN SIE SICH BEIM HERRN B.
SIEGMUND K.
Ich schließe mit der Geschichte “Mühsal der Besten” von Bertolt Brecht:
“Woran arbeiten Sie?” wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: “Ich habe viel Mühe, ich bereite meinen nächsten Irrtum vor.”
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October 7, 2008
On nytimes.com there is a nice interactive electoral map. It shows Indiana as a tossup state. This is nice in the first place, since, as far as I’m aware, that hasn’t been the case for a long time. The accompanying text reads as follows:
It’s been a long time since Indiana has drawn a lot of attention in a presidential contest. But Mr. Obama is looking very seriously to this Midwest state, testimony to demographics that his campaign says makes it receptive to a Democrat — and some early polls suggest he might have a chance here.
So far so good. Here is my challenge for you, my dear friends in Bloomington: Make it happen! Paint Indiana blue. That would be awesome. Totally.
BTW: pollster.com just recently released interactive graphs for every state—pretty sweet, if you ask me. Take (e.g.) a look at the Map for Indiana. (Somehow, I was unable to embed the graph.)
BTW 2.0: I’m sick. You might ask: what else is new!? Well, I’m really sick—you know: fever and stuff…
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Posted by sewenz