November 22, 2009
Ein einfaches “Vorher-Nachher-Design” zeigt: Journalisten sind lernfähig. Und Journalistinnen auch. Ganz konkret scheint Frau Inge Kloepfer verstanden zu haben, dass Privatschulen den Schüler/innen nicht notwendigerweise mehr beibringen.
Was vor noch nicht allzu langer Zeit aus Kloepfers Feder einmal so klang:
Ganz falsch liegen die Eltern mit ihrer Kompetenzvermutung nicht. Helmut Klein vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft gibt ihnen weitgehend recht: “In der Hälfte der Bundesländer bringen Privatschulen im Verhältnis zu ihrer Schülerzahl mehr als doppelt so viel Abiturienten hervor wie staatliche Gymnasien und Gesamtschulen.”
Klingt heute erfrischend anders:
Die Flucht des Bildungsbürgertums vor den öffentlichen Schulen hat Folgen, die nicht nur die DIW-Forscher mit Sorge beobachten. Sie verschärft jene Selektion der Kinder und Jugendlichen aufgrund ihrer sozialen Herkunft, die schon im öffentlichen Schulsystem an der Tagesordnung ist. Dabei ist gar nicht erwiesen, dass Kinder an Privatschulen bessere Leistungen erzielen. Vergleicht man die Schülerleistungen dort mit denen der Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern an öffentlichen Schulen, gibt es keine Unterschiede.
Obwohl dieser letzte Satz so wohl nicht stimmen wird — die absoluten Ergebnisse (messbare Kompetenzen etc.) werden auf Privatschulen sicher (deutlich) besser sein, nur hätten diese Kinder auf staatlichen Schulen kaum weniger gelernt — bleibt festzuhalten, dass Kloepfers Artikel in der FAZ ein alles in allem guter und kluger Artikel ist. Kloepfer beschreibt sehr gut die Selbstselektion bestimmter Eltern — und damit Schüler — auf die Privatschulen. Auch bemerkt Kloepfer die soziale Entmischung, die so forciert wird. Der kausale (Durchschnitts-)Effekt dieser Entmischung — auch als Effekt auf bestimmte Subgruppen (etwa: wechselnde vs bleibende Schüler) — ist dann die spannende und gesellschaftspolitisch relevante Größe. Ich bin auf diesem Gebiet kein Experte. Mich beschleicht allerdings das Gefühl, dass es hier noch einiges zu forschen gibt. Oder nicht, Herr Wößmann?
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Posted by sewenz
November 20, 2009
Seit langem suche ich einen einfachen und zeitlosen Zettelkasten, der
Zettel mit Ideen und Argumenten, Zitaten und anderen Verweisen in
viele kleine Schubkästen aufnimmt; ich finde nur leider keinen. Was
ich suche, könnte man auch einen Apothekerschrank mit (sehr) kleinen Schubladen nennen, ein Schubladenmagazin, einen Schubladenkasten — oder wegen mir auch eine Kommode. Nur viele (vielleicht 24 oder 48 oder auch 60) und kleine Schubkästen soll er haben. Damit die Ideen für das eine (in meinem Falle: wissenschaftliche) Projekt in einer anderen Schublade untergebracht werden können, als die Ideen für ein anderes Projekt. Vielleicht ist er auch stapelbar — man könnte zwei Schränke/Kästen mit je 24 Schubläden gut über- oder nebeneinander stellen. Die Schubladen sollten Zettel aus einem kleinen Notizbuch (Moleskine oder so) aufnehmen können. Ich stelle mir vor, dass ich im Zug oder auf einer Parkbank sitze, eine Idee habe und diese aufschreibe — in das kleine Notizbuch mit perforierten Seiten. Zu Hause trenne ich die Seite heraus und lege den Zettel in die Schublade mit dem entsprechenden Projekt. Ob aus Holz, Metall, oder stabiler Pappe ist mir zunächst weniger wichtig — nur etwas ansehnlicher als die üblichen Schubladenmagazine für Schrauben sollte er schon aussehen, mein Zettelkasten.
Wisst Ihr was ich meine? Ich finde einen solchen Zettelkasten einfach
nicht. Wer hat einen guten Tipp?
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Posted by sewenz
November 13, 2009
Man muss Ludger Wößman, Professor an der LMU und Mitarbeiter am CES und am ifo Institut in München sowie am Nationalen Bildungspanel (NEPS), dankbar sein. Für seine klaren und ehrlichen Worte. Dafür, dass er sich traut, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse auch auszusprechen. Und dafür, dass er sich dabei eher wenig um die soziale (resp. politische Erwünschtheit) seiner Aussagen schert. Im Folgenden lesen Sie die schönsten Zitate aus einem Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 12.11.2009 — das vollständige Interview gibt es hier.
FR: [Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium, dem Sie angehören,] fordert eine von Grund auf bessere Qualifikation der Kinder und Jugendlichen. Abi für alle?
Wößmann: Das ist natürlich illusorisch. Aber es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem individuellen Bildungsgrad und dem Erfolg am Arbeitsmarkt. Darum wäre mit Blick auf die Einkommensverteilung sehr viel erreicht, wenn im Schulsystem niemand mehr durchs Raster fällt. Da ist viel zu tun, wenn man bedenkt, dass heute sieben Prozent eines Jahrgangs ohne Schulabschluss, 15 Prozent ohne Berufsabschluss bleiben. Kein Jugendlicher mehr ohne Schul- und Berufsabschluss – das kann man doch als Ziel begreifen!
Aber ein Problem, das Sie im Gutachten ja auch benennen, ist doch, dass es immer noch vor allem die Kinder aus gutem Hause sind, die das Abitur machen…
Dabei gibt es viele Begabte aus bildungsfernen Schichten, die kein Abitur machen, obwohl sie das Potenzial hätten. Ziel muss sein, dass jedes Kind die Chance hat, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Das gelingt uns leider nicht.
Der Beirat will dieses Problem auf eine Art lösen, die ihm kaum den Beifall der Konservativen einbringen wird.
Mag sein — aber wir sind Wissenschaftler, nicht Politiker. Die Mehrheit hat sich explizit dafür ausgesprochen, Kinder länger gemeinsam lernen zu lassen. Also nicht so früh — nach der vierten Klasse — auf verschiedene Schularten aufzuteilen. Mit diesem System stehen wir international ohnehin fast allein. Und es gibt zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass diese frühe Aufteilung es mit begünstigt, wenn sozial Schwache kaum höhere Bildungsabschlüsse erreichen.
Was muss der Staat tun, damit am Ende die Rendite stimmt?
Besonders groß ist die Rendite, wenn schon in Kindergarten und Grundschule angesetzt wird. Der Staat muss seine Bildungsinvestitionen anders verteilen als bisher. Was er bisher macht, ist quasi eine Umverteilung von unten nach oben. Die Kosten pro Schüler und Schuljahr sind in Hauptschule und Gymnasium zwar in etwa gleich, aber jemand, der studiert, bleibt ja viel länger im Bildungssystem als ein Hauptschüler, und seine Ausbildung kostet am Ende fast doppelt so viel Geld. Es gilt also, vor allem den sozial und ökonomisch schwächeren Schichten zu helfen, eine Qualifikation zu erreichen, die sie von den Leistungen des Sozialstaats unabhängig macht.
Sogar Privatschulen sind — mit der ökonomischen Brille betrachtet — gut für die bisherigen Bildungsverlierer. Warum?
Es geht um die private Trägerschaft. Die Niederlande machen das vor: Wenn öffentliche wie private Schulen vom Staat finanziert werden, fördert das den Wettbewerb um die besten Ideen. Das verbessert das Leistungsniveau des gesamten Systems. Davon profitieren vor allem die Kinder, die bisher keine Wahl zwischen privat und öffentlich haben. Das belegen Studien.
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November 11, 2009
Zu grundsätzlichen strukturpolitischen Fragen, etwa der Empfehlung eines bestimmten Schulsystems, kann die Bildungsforschung keine Handlungsanweisungen geben
sagt Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt. Und irrt.
Was die Wissenschaft — und damit auch die Bildungsforschung — nicht beantworten kann sind Wertfragen. Die Bildungsforschung kann also nicht sagen, dass ein gerechtes Bildungssystem wünschenswerter ist, als ein ungerechtes. Das ist Aufgabe der Politik. Die Bildungsforschung kann aber ermitteln, welche Faktoren dazu beitragen, ein Bildungssystem gerechter zu machen. Und wenn bei solchen Analysen herauskommt, dass ein Bildungssystem gerechter wird, wenn man die Selektion der Schüler auf verschiedene Schulformen statt mit 10 z.B. mit 14 Jahren durchführen lässt, ist das eben ein Ergebnis, das ganz offensichtlich ein Strukturmerkmal eines Bildungssystems betrifft. Wenn dann den Politikern auch noch bekannt ist/wäre, dass ein längeres gemeinsames Lernen den intelligenten bzw. leistungsstarken Schülern nicht schaden muss, könnten diese ja — aufgrund ihrer Werthaltungen — diese wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzen und das Bildungssystem entsprechend anpassen.
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August 28, 2009
Ein guter Bekannter hat sich auf die Suche nach der Antwort auf eine Frage gemacht, die ich heute getwittert hatte:
Kennt jemand die Position der @Piratenpartei zu #Erhebung, #Verwendung und #Speicherung von personenbezogenen #Daten in der #Wissenschaft?
Die Antwort der Piraten (eine Nicole) liest sich so:
Vielen Dank für das Interesse und die Frage.
Die Piraten setzten grundsätzlich für Datensparsamkeit
und Datenschutz ein. Dies bedeutet, dass nicht nur von
staatlichen Stellen gefordert wird, Daten erst gar nicht
zu speichern, sondern vor allem auch von Wirtschaftsunternehmen.
Dort, wo die Erhebung von Daten unerlässlich ist oder wo sie zur
Erleichterung von geschäftsbezogenen Prozessen erhoben
werden, muss gewährleistet sein, dass sie ausschließlich zum
angegebenen Zweck genutzt werden. Eine Auskunftspflicht
gegenüber dem Betroffenen ist ebenso selbstverständlich.
Diese Positionen vertreten wir auch bezüglich Daten von
Personen in Wissenschaft und Forschung. Sofern es möglich
ist, sollten anonymisierte Daten verwendet werden, eine
Rückverfolgung muss ausgeschlossen bleiben. Werden Daten
personenbezogen erhoben, sind hohe Standards zur Sicherung
dieser Daten gegen unbefugten Zugriff und an Mitarbeiter
durch besondere Verpflichtung einzuhalten. Die Einhaltung
dieser Standards muss durch eine unabhängige Instanz mit
der Kompetenz zur Einleitung von Strafverfolgung gewährleistet
werden. Einen zahnlosen Tiger braucht man nicht.
Die Piraten setzen sich dafür ein, dass entsprechende Regeln
in einem Gesetz festgeschrieben werden. Ebenso wollen wir
durchsetzen, dass eine wie vor beschriebene Aufsichtsinstanz
mit den notwendigen personellen und finanziellen Mitteln
ausgestattet wird.
Nachzulesen sind die Ansätze in unserem Wahlprogramm:
http://www.piratenpartei.de/tmp/Wahlprogramm_Bundestagswahl2009.pdf
auf Seite 7ff.
Vielen Dank an Marc für das Weiterleiten der Frage und an Nicole für diese erste Antwort. So ganz zufriedengestellt hat mich das noch nicht. Als Sozialwissenschaftler, der auf Daten von und über reale(n) Menschen angewiesen ist, will ich noch ein wenig mehr Details zu den Dingen, die auf mich und meine KollegInnen zukommen, wenn die Piraten im Bundestag oder sogar in einer Bundesregierung mitmischen sollten. Der Datenschutz darf Wissenschaft nicht unmöglich machen. Ich, der ich an einem Projekt arbeite, dass den Datenschutz sehr groß schreibt, meine, dass man das Kinde an dieser Stelle besser nicht mit dem Bade ausschütten sollte. Mehr zu diesem Thema mit Sicherheit bald an dieser Stelle.
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May 28, 2009
Leider habe ich nicht wirklich Zeit für einen Blog-Post. Dass ein auf diesem Blog aber schon vor einiger Zeit besprochener “Fall” wieder in den Medien (namentlich bei der ZEIT und bei SPIEGEL Online) auftaucht — und das ganz in meinem Sinne — ist einen kurzen Eintrag wert. Vor über einem Jahr hatte eine Bildungsstudie aus Berlin mit dem Namen ELEMENT für Furore gesorgt. Ich hatte darüber hier gebloggt.
Zusammengefasst ging es um die Interpretation der Ergebnisse durch den Leiter der Studie, Rainer Lehmann von der HU Berlin. In mehreren Interviews gab er als Fazit der Studie an, die Berliner Grundschulen, in denen üblicherweise alle Kinder bis einschließlich Klasse 6 unterrichtet werden, versagten insofern, als der Leistungszuwachs der SchülerInnen an Grundschulen hinter dem der SchülerInnen an grundständigen Gymansien (ab Klasse 5) zurückbleibe. Zitat Lehmann:
Bei gleicher Ausgangslage lernen Schüler an Gymnasien weitaus mehr als an Grundschulen.
Wie ich bereits in meinem Blogpost deutlich gemacht hatte, gab es in den veröffentlichten Berichten der ELEMENT-Studie kein einziges Modell, dass diese (kausalen) Folgerung gestützt hätte. Schon damals hatte ich überlegt, nach den Daten zu fragen — aber möglicherweise hätte ich sie gar nicht erhalten. Tatsächlich haben Jürgen Baumert und Kollegen die Daten bekommen und reanalysiert — das Ergebnis überrascht nicht: Lehmanns Ergebnisse sind Unfug. Zusammengefasst aus dem Mund von Jürgen Baumert:
Zwischen den Frühwechslern und einer Gruppe von Grundschülern, die in allen für die Leistung wichtigen Voraussetzungen vergleichbar ist, gibt es keinen oder keinen stabil nachweisbaren Unterschied im Zuwachs der Lesekompetenz und der mathematischen Fähigkeiten.
Danke. Den zugehörigen Artikel kann man dann wohl bald (Juni-Heft) in der ZfE nachlesen. (Wer mal Propensity-Score-Matching angewandt sehen möchte, sollte den Artikel nicht verpassen, wenn ich Herrn Baumerts Äußerung im Interview mit SPIEGEL Online richtig verstehe, dass “für 1732 Frühübergänger sogenannte Zwillingspaare gebildet” wurden.)
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Posted by sewenz
February 25, 2009
Uwe Schimank und Nadine M. Schöneck haben bereits im Herbst letzten Jahres ein Buch mit dem Titel “Gesellschaft begreifen. Eine Einladung zur Soziologie” herausgegeben, das auch über eine eigene Internetseite verfügt, auf der die beiden Herausgeber die Autoren des Bandes interviewen. Um die einzelnen Videos zu sehen, klicke man auf die Thumbnails am rechten Bildrand.
Die meisten (nicht: alle) Interviews sind aus meiner Sicht interessant und zeigen eindrucksvoll die inhaltliche und methodische Breite der Soziologie — ob das erklärte Ziel, zukünftige Studenten für die Soziologie zu begeistern, mit diesen Videos und dem dazugehörigen Buch erreicht werden kann, vermag ich nicht zu beurteilen (insbesondere, weil ich das Buch nicht gelesen habe).
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Posted by sewenz
February 4, 2009
Was die deutschen Medien über das NEPS berichten, findet man natürlich bei google-news in einer Übersicht. Zum Nachhören des Berichts in Campus & Karriere klicke man hier (mp3). Hans-Peter Blossfeld im Interview mit dem Inforadio rbb kann man hier hören.
Um einige — mehr oder weniger hochqualitative — Kommentare in den Diskussionsforen deutscher Medien zu würdigen, bemerke ich folgendes:
- In Anbetracht von 3 Mrd. (=3.000 Mio) für den Teilchenbeschleuniger “Large Hadron Collider” (LHC) bei Genf erscheinen mir 60 Mio. oder 120 Mio EUR für das Bildungspanel gut angelegtes Geld. [Polemik On] Überlegen Sie sich spontan eine Antwort auf die Frage, was Ihnen wichtiger ist: zu verstehen (=wissen), warum Kinder unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft unterschiedlich oder auch gleich gut abschneiden, wie bedeutend tatsächliche Kompetenzen auf der einen und Urkunden/Zeugnisse auf der anderen Seite z.B. auf dem Arbeitsmarkt sind oder eigenartige Teilchen aufeinander zu schießen. [Polemik Off] Ich finde beides wichtig.
- Die Mitarbeiter des NEPS sind zu den besten der Bildungsforschung zu zählen und wären auch ohne das NEPS sicher nicht ohne Job geblieben. Außerdem wird man unter diesen Mitarbeitern keinen einzigen Ethnologen finden. Es sind — in alphabetischer Reihenfolge — Ökonomen, Pädagogen, Psychologen und Soziologen, die hier quantitative empirische Forschung betreiben (werden). Wer auf der Seite des NEPS unter den Mitarbeitern einen Ethnologen findet, darf ihn behalten. Und, nein, auch Ethnologen sind keine “unnützen Akademiker”. Wobei ich ja finde, als quantitativer Sozialwissenschaftler mehr zum Verständnis der Gesellschaft beizutragen als ein Ethnologe, der sich 2 Jahre in Hoyerswerda in die Kneipe setzt — aber das beruht sicher auf Gegenseitigkeit.
- Wer glaubt, aus der Geschichte schon genug über Bildungssysteme lernen zu können bzw. gelernt zu haben, muss sich wohl einen Historiker schimpfen lassen. Historiker sind wichtig und aus Geschichte kann man viel lernen, auch über Bildungssysteme. Nicht lernen kann man aus der Geschichte, was Kinder mit türkischem Migrationshintergrund von Kindern mit vietnamesischem Hintergrund unterscheidet, an welcher Stelle in der Bildungskarriere eines Kindes diese Unterschiede besonders stark hervortreten bzw. Wirkung zeigen. Zur Beantwortung dieser Fragen empfiehlt sich eine Panel-Studie im 21. Jh. — nennen wir sie “Bildungspanel”.
- Sollten die am NEPS beteiligten Wissenschafter “Handlungsempfehlungen” aussprechen, können folgende Szenarien zutreffen: (a) Der entsprechende Wissenschaftler macht eine normative Aussage, sagt mithin was sein soll. Das können Wissenschaftler nicht, es gibt dafür keine wissenschaftliche Methode. Wisseschaftler sagen lediglich, was ist. Wer doch sagt, was sein soll, hört auf Wissenschaftler zu sein und wird zum Politiker oder “einfachen” Bürger dieses Landes. (b) Die Politik stellt eine Frage, in der das normative Ziel enthalten ist, z.B. “Führt eine spätere Trennung der Kinder auf verschiedene Schulformen zu geringer Bildungsungleichheit?”. Sagt der Wissenschaftler darauf, “ja, schieben Sie die Trennung nach hinten, senken Sie die Bildungsungleichheit”, ist das absolut in Ordnung.
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Posted by sewenz
January 19, 2009
- Hessen hat einen neuen Landtag gewählt — mit diesem Ergebnis.
- Wer hat wen gewählt? Das Wahlergebnis soziodemographisch aufgeschlüsselt.
- Wähler wandern — hier steht wie.
- Das Internet als Medium im Wahlkampf wird wichtiger; was das mit den verschiedenen Parteien zu tun hat, liest man hier.
- “Wahl im Web” — der Versuch des ZDF moderner, jünger, interaktiver und netzorientierter über eine Landtagswahl zu berichten. Hier eine 15minütige Zusammenfassung. Fazit: Okay. Nicht mehr und nicht weniger. Herr Kavka kommt sicher noch mehr in den Themenkomplex Politik und Wahlen rein; dann wird das auch was.
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Posted by sewenz
November 1, 2008
In einem Artikel von Inge Kloepfer auf FAZ.net zur steigenden Beliebtheit von Privatschulen in Deutschland las ich eben folgendes zu den Gründen der Eltern eine Privatschule in Betracht zu ziehen:
Dahinter stehen allerdings immer die angenommene höhere Unterrichtsqualität privater Schulen und eine größere Erfolgswahrscheinlichkeit für die Kinder. Rund zwei Drittel der Deutschen meinen nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass Privatschulen ihren Kindern bessere Bildungschancen eröffnen.
Soweit so gut. Diese Alltagstheorien der Menschen müssen nicht ganz falsch sein; besser ausgestattet sind die Privatschulen bestimmt und es ist auch plausibel anzunehmen, dass die LehrerInnen — im Schnitt — zu den motivierteren ihrer Zunft gehören. Leider hat aber auch Frau Kloepfer, wie die meisten Journalisten in Deutschland, offensichtlich nie ein Grundseminar in Kausalanalyse besucht — wenn man das denn überhaupt muss, um zu erkennen, dass nachstehend zitierte Argumentation nichts als Firlefanz ist:
Ganz falsch liegen die Eltern mit ihrer Kompetenzvermutung nicht. Helmut Klein vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft gibt ihnen weitgehend recht: “In der Hälfte der Bundesländer bringen Privatschulen im Verhältnis zu ihrer Schülerzahl mehr als doppelt so viel Abiturienten hervor wie staatliche Gymnasien und Gesamtschulen.”
Aua. Das tut weh. Schön ist, dass man Frau Kloepfer in Ihren eigenen Worten erklären kann, was sie nicht versteht. Sie schreibt, dass…
Über die Qualität staatlicher Bildungsangebote in den bildungsbewussten Mittel- und Oberschichten längst mit den Füßen abgestimmt [wird].
So ist das. Und jetzt raten Sie mal, wie hoch die Abiturientenquote unter Kindern solcher Eltern an staatlichen Schulen ist. Und wenn Sie schon dabei sind, raten Sie doch auch noch die Veränderung in der Differenz zwischen privaten und staatlichen Schulen bei ausschließlicher Berücksichtigung der Kinder aus “bildungsbewussten Mittel- und Oberschichten”. Richtig geraten: sie wird viel kleiner sein. Ich bestreite nicht, dass sie möglicherweise noch da ist und man mit dieser Differenz dann wohl schon sehr nah an den wahren Qualitätsvorsprung im Sinne eines kausalen Effekts der privaten Schulen auf den schulischen Erfolg eines Kindes herankommt. Aber bitte, liebe Frau Kloepfer, liebe Journalisten in Deutschlands “Qualitätszeitungen”, gewöhnen Sie sich doch solch falsche bzw. unzulässige Vergleiche ab. Danke.
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Posted by sewenz
October 30, 2008
The tradition in US-media to endorse a presidential candidate of choice is — from a German point of view — one of the curiosities in US-presidential elections. I personally like to read the reasoning of the different media. I find the endorsement by scientific publications especially interesting — read why Seed endorses Barack Obama here in full lentgh. The part I like most begins as follows…
Far more important is this: Science is a way of governing, not just something to be governed. Science offers a methodology and philosophy rooted in evidence, kept in check by persistent inquiry, and bounded by the constraints of a self-critical and rigorous method. Science is a lens through which we can and should visualize and solve complex problems, organize government and multilateral bodies, establish international alliances,
… and continues with a little bit more patriotism (what I don’t like too much)…
inspire national pride, restore positive feelings about America around the globe, embolden democracy, and ultimately, lead the world. More than anything, what this lens offers the next administration is a limitless capacity to handle all that comes its way, no matter how complex or unanticipated.
Again: Especially the first part I quoted is — from my point of view — very important insofar as politics all over the world seem to suffer (in- or decreasingly?) from far too many decisions based on anything but clear and strong (i.e. scientific) evidence. Therefore it is a very good reason to endorse a candidate using such an argument.
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Posted by sewenz